{"id":801,"date":"2021-03-11T13:23:48","date_gmt":"2021-03-11T12:23:48","guid":{"rendered":"http:\/\/gruenejugend-kiel.de\/?p=801"},"modified":"2021-03-11T13:24:25","modified_gmt":"2021-03-11T12:24:25","slug":"10-jahre-fukushima-ein-gau-die-folgen-und-unsere-forderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruenejugend-kiel.de\/?p=801","title":{"rendered":"10 Jahre FUKUSHIMA &#8211; ein GAU, die Folgen und unsere Forderungen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Heute ist der Tag, an dem sich die Katastrophe von Fukushima zum zehnten Mal j\u00e4hrt. Es ist nach Tschernobyl das zweite Mal gewesen, dass es zum Super-GAU kam. Wir m\u00f6chten Dich mitnehmen und zeigen, was sowohl in Fukushima als auch hier in Deutschland passiert ist und passiert und was wir fordern.<\/span><\/p>\n<p><b>Fukushima &#8211; Der Ablauf des Super GAUs<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am 11. M\u00e4rz 2011 um 14:47 Uhr Ortszeit begann nach einem Erdbeben der St\u00e4rke 8,9 unfassbares im Atomkraftwerk Fukushima I. Das Erdbeben l\u00f6ste einen Tsunami aus, der zwischen 13 und 15 Metern H\u00f6he ma\u00df. Die Welle traf gegen 15:35 Uhr am Atomkraftwerk Fukushima I ein. Die 5,70 Meter hohe Schutzmauer vor dem Kraftwerk konnte die Welle nicht aufhalten. Die Reaktorbl\u00f6cke 1 bis 4, die 10 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel liegen, wurden bis zu 5 Meter tief \u00fcberschwemmt. Die drei Meter h\u00f6her erbauten Bl\u00f6cke 5 und 6 zu einem Meter. Durch die Zerst\u00f6rung der Meerwasserpumpen konnte die Abw\u00e4rme nicht mehr ins Meer abgegeben werden, lief in die Geb\u00e4ude und \u00fcberschwemmte f\u00fcnf der zw\u00f6lf laufenden Notstromaggregate und die meisten Stromverteilerschr\u00e4nke. Um 15:41 Uhr Ortszeit fielen die Generatoren aus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durch den Ausfall der Stromversorgung konnte die K\u00fchlung der Nachzerfallsw\u00e4rme aus den Reaktorkernen und Abklingbecken nicht stattfinden. Wegen Verkehrsstaus, versperrter Zufahrtswege, \u00fcberschwemmter Anschlusspunkte und zu kurzer Kabel wurden die zus\u00e4tzlich herangeschafften Generatorenfahrzeuge zu sp\u00e4t aktiv, um die Unfallserie noch zu stoppen. Ein Generator \u00fcberstand den Tsunami und konnte die K\u00fchlung der Bl\u00f6cke 5 und 6 rechtzeitig gew\u00e4hrleisten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mangels K\u00fchlung kam es zur \u00dcberhitzung von Reaktoren und Abklingbecken, zur Freisetzung von Wasserstoff in die Reaktorgeb\u00e4ude und zu<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Durch gezielte<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Druckentlastungen der Reaktoren gelangten radioaktive Stoffe in die Umwelt und wurden von wechselnden Winden in verschiedene Himmelsrichtungen weiter verteilt. Die Folgen des Unfalls haben viele Menschen in Japan getroffen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vom 12. M\u00e4rz, also etwas weniger als 24 Stunden nach dem verh\u00e4ngnisvollen Erdbeben, bis zum 15. M\u00e4rz ereigneten sich Explosionen &#8211; wahrscheinlich Wasserstoffexplosionen &#8211; in den Bl\u00f6cken 1, 3 und 4, die die Reaktorgeb\u00e4ude teils schwer besch\u00e4digten und Rettungsarbeiten zur\u00fcckwarfen. Hierbei wurde hochradioaktiver Schutt auf das Werksgel\u00e4nde geschleudert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In Block 2 wurde der<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Sicherheitsbeh\u00e4lter des Reaktors besch\u00e4digt, sodass stark kontaminiertes Wasser austrat. In Block 4 kam es zu mehreren Br\u00e4nden. Vom 13. bis zum 15. M\u00e4rz 2011 wurde auf dem Kraftwerksgel\u00e4nde mehrfach<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Neutronenstrahlung gemessen, was auf ein unkontrolliertes Wiedereinsetzen der<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Kernspaltung in einem der Reaktoren oder Abklingbecken hindeutete.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Werkfeuerwehr pumpte zun\u00e4chst Wasser aus vorhandenen S\u00fc\u00dfwasserreserven und dann aus Gruben, in denen sich Meerwasser gesammelt hatte, zur K\u00fchlung auf die Reaktoren 1 bis 3. Die Erlaubnis zum Einleiten von Meerwasser, wodurch die Reaktoren besch\u00e4digt werden, gab Premierminister<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Naoto Kan am 12. M\u00e4rz 2011 um 19:55 Uhr &#8211; circa 29 Stunden nach dem Erdbeben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am 15. M\u00e4rz 2011 wurden alle, bis auf 50 Tepco-Mitarbeiter*innen sowie 130 weitere Arbeiter*innen und Helfer*innen von Fremdfirmen, Feuerwehr und<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Streitkr\u00e4ften, vor\u00fcbergehend evakuiert. Einige Tage sp\u00e4ter trafen 140 Streitkr\u00e4fte der Tokioter Feuerwehr ein, die angeblich zu diesem Einsatz vom Wirtschaftsminister Banri Kaieda gezwungen wurden. Die Mitarbeiter*innen waren seit dem Unfall laufend einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.<\/span><\/p>\n<p><b>Die Folgen der Katastrophe<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu den Folgen der Reaktorkatastrophe l\u00e4sst sich wohl ganz zentral sagen, dass in der Folge der Verstrahlung 160.000 Menschen dauerhaft umgesiedelt wurden und im Zuge dessen ihr Leben, ihr Haus oder wertvolle Erinnerungsst\u00fccke zur\u00fccklassen mussten. Ein Gebiet in der Gr\u00f6\u00dfe der Stadt M\u00fcnchen rund um das Kraftwerk ist selbst heute noch nahezu unzug\u00e4nglich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Gleichzeitig litten selbstverst\u00e4ndlich nicht nur die Anwohner*innen im direkten Umfeld des Kraftwerks unter den Folgen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Sch\u00e4tzungsweise 23 Prozent des radioaktiven Niederschlags gingen \u00fcber dem japanischen Festland nieder. So kamen Menschen in ganz Japan in Kontakt mit kontaminierter Luft, kontaminierten Wasser und kontaminierten Lebensmitteln. Betrachtet man also die japanische Gesamtbev\u00f6lkerung, ist davon auszugehen, dass langfristig 9.600 strahlenbedingte Krebsf\u00e4lle auftreten werden, wobei gesch\u00e4tzt wird, dass die H\u00e4lfte davon t\u00f6dlich verlaufen wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Abgesehen von den traurigen Schicksalen und vielen Toten, die die Katastrophe hervorgebracht hat und hervorbringen wird, hat nat\u00fcrlich die Umwelt, vor allem das Meer, unter dem Austreten von Radioaktivit\u00e4t gelitten. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind die gesetzlichen Grenzwerte f\u00fcr radioaktives Jod und Caesium im Meereswasser vor\u00fcbergehend um das 50.000 bis 200.000-fache \u00fcberschritten worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr den Pazifik und die dortigen Lebensr\u00e4ume wird die Reaktorkatastrophe von Fukushima weitreichende Folgen haben. Die Messwerte von Tepco, dem Betreiber des Kraftwerks, und dem japanischen Wissenschaftsministerium zeigen, dass das Meer um Fukushima hochgradig verseucht ist. Es ist davon auszugehen, dass sich die radioaktiven Substanzen weitr\u00e4umig verteilen und in den Nahrungsketten von unten nach oben anreichern werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch der Blick in die Zukunft sieht nicht rosig aus, denn die K\u00fchlung der geschmolzenen Reaktorkerne bleibt ein gro\u00dfes Problem. Wasser wird dauerhaft eingeleitet, um noch Schlimmeres zu verhindern. Durch undichte Stellen in den Sicherheitsbeh\u00e4ltern und im Abklingbecken gelangt permanent kontaminiertes K\u00fchlwasser in die Umwelt. Noch bedr\u00fcckender wird diese Info durch die Tatsache, dass niemand wei\u00df, an welchen Stellen dieses Wasser austritt. Abgesehen davon sind f\u00fcr das gespeicherte kontaminierte Wasser die Lagerkapazit\u00e4ten bald ersch\u00f6pft und die Entsorgung noch ungekl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz alledem gibt die japanische Regierung immer mehr Gebiete zur Besiedlung frei, fordert die Bev\u00f6lkerung zur R\u00fcckkehr auf und h\u00e4lt auch weiterhin an der Atomkraft zur Energiegewinnung fest. 2018 wurde auch erstmals wieder Fisch aus der Region exportiert.<\/span><\/p>\n<p><b>Atomausstieg und Endlagerung in Deutschland<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Atomausstieg in Deutschland ist letztlich eine alternativlose Entscheidung der\u00a0 damaligen Bundesregierung gewesen, da Atomkraft seit jeher keine sichere Quelle f\u00fcr die Energiegewinnung darstellt. Nichtsdestotrotz ist der Atomausstieg unter Union und FDP alles andere als eine Held*innentat gewesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn Schwarz-Gelb ist vom bereits beschlossenen Atomausstieg der rot-gr\u00fcnen Regierung zur\u00fcckgetreten und hat stattdessen eine Verl\u00e4ngerung der Laufzeit f\u00fcr Atomkraftwerke bewirkt &#8211; ein halbes Jahr vor Fukushima.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Getrieben von den Ereignissen in Japan, die erneut die Gefahren der Atomstromgewinnung bewiesen haben, war der Ausstieg aus der Atomkraft logische Konsequenz. Nun m\u00fcssen aber durch den Ausstieg vom Ausstieg den Energiekonzernen RWE, Vattenfall, Eon\/PreussenElektra und Enbw 2,4 Milliarden Euro als Entsch\u00e4digung gezahlt werden &#8211; Geld, das man sich h\u00e4tte sparen k\u00f6nnen, wenn man bereits vorher die Gefahren der Sicherheitsm\u00e4ngel der Atomkraft gesehen h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Energiepolitik kann nur mit dem priorisierten Ausbau der erneuerbaren Energie realisiert werden. Ein Fortschritt der Technologie und ein Ausbau im Atomkraftsektor w\u00fcrde mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Zeit, die wir angesichts der Klimakrise nicht haben und in der wir unseren Energieversorgung fast ausschlie\u00dflich aus Wind- und Solarkraftwerken umstellen k\u00f6nnen. Kernkraft gilt als weniger gef\u00e4hrliches \u00dcbel gegen\u00fcber den katastrophalen Folgen einer Klimakatastrophe. Diese Abw\u00e4gung ist jedoch nicht zielf\u00fchrend und lenkt vom eigentlichen Thema ab:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durch eine radikale Priorisierung von erneuerbaren Energien ist keine Abw\u00e4gung n\u00f6tig! Damit nehmen wir nicht die Gefahren und die unsichere Situation hinsichtlich der Endlagerung einfach hin! Eine Debatte \u00fcber die Klimavertr\u00e4glichkeit von Kernkraftwerken f\u00fchrt dazu, dass Erneuerbare nicht ausreichend Relevanz erfahren!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dar\u00fcber hinaus bleibt nach wie vor die Frage der Endlagerung offen. Dass diese Aufgabe in den Verantwortungsbereich der Politik anstatt der Konzerne f\u00e4llt, ist absolut inkonsequent, da es doch letztere sind, die den Atomm\u00fcll produzieren und damit f\u00fcr die einhergehende Umweltverseuchung zust\u00e4ndig sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zuletzt fehlt es seit jeher an einem wirklich sicheren Umgang mit Atomkraft und Atomm\u00fcll. Was mit Atomkraftwerken passieren kann, hat sich deutlich in Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Zudem ist die Endlagersuche bis heute ohne Erfolg. Stattdessen droht\u00a0 bereits entsorgter bzw. zwischengelagerter\u00a0 Atomm\u00fcll die Umgebung zu kontaminieren und an Pflanzen, Tieren und Menschen einen enormen gesundheitlichen Schaden entstehen zu lassen &#8211; wie sich an Asse zeigt. Deswegen: NEIN zu Atomkraft.<\/span><\/p>\n<p><b>Unsere Forderungen<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Damit sich so eine Trag\u00f6die nicht wiederholt, fordern wir, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien nicht weiterhin behindert, sondern gef\u00f6rdert wird. Keine weiterhin umweltverschmutzenden Formen der Energiegewinnung sind akzeptable Alternativen zu Erneuerbaren Energien, weswegen die Besch\u00f6nigung und das Greenwashing von Atomkraft unterbunden werden muss.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um einen vollkommenen Ausstieg aus der Atomkraft zu verwirklichen, m\u00fcssen jedoch auch grundlegende Fragen wie die der Endlagerung von atomarem M\u00fcll und der Sicherheit von abgestellten AKWs gekl\u00e4rt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Uns ist bewusst, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, in dessen Kontext wir solidarisch denken m\u00fcssen, und nicht so wie beispielsweise die CSU in Bayern enorm von Atomkraft profitieren und uns dann von der Endlagersuche ausnehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00e4mpfen seit Jahrzehnten f\u00fcr den Ausstieg aus atomarer Energie, zwar wurde nach dem Ungl\u00fcck von Fukushima ein sofortiger Ausstieg angek\u00fcndigt, de facto werden aber immer noch AKWs betrieben und Uran wird immer noch gef\u00f6rdert. Dieser Zustand ist angesichts des Supergaus von Tschernobyl und Fukushima nicht tragbar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir brauchen einen finalen, solidarischen Ausstieg aus der Atomkraft und zwar JETZT!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der Tag, an dem sich die Katastrophe von Fukushima zum zehnten Mal j\u00e4hrt. Es ist nach Tschernobyl das zweite Mal gewesen, dass es zum Super-GAU kam. Wir m\u00f6chten Dich mitnehmen und zeigen, was sowohl in Fukushima als auch hier in Deutschland passiert ist und passiert und was wir fordern. 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