Antragstext:

Kiel muss bis spätestens 2040 klimaneutral werden, um die Klimaziele von Paris zu erfüllen. Dabei dürfen maximal 20 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgasen ausgestoßen werden. Wir fordern den Stadtrat und Bündnis 90/Die Grünen aud, die Klimaschutzziele und den Masterplan Klimaschutz der Stadt entsprechend anzupassen. Wir werden keine Kandidaturen unterstützen, die an weniger ambitionierten Zielen festhalten. Ebenso werden wir an keinen Kampagnen o.ä. teilnehmen, die ungenügende Ziele vertreten. Wir beteiligen uns gegebenenfalls an Bündnissen zur Anpassung der Klimaziele.

Begründung:

Klimavertrag von Paris, Article 2a) “Holding the increase in the global average temperature to well below 2 °C above pre-industrial levels and to pursue efforts to limit the temperature increase to 1.5 °C above pre-industrial levels, recognizing that this would significantly reduce the risks and impacts of climate change;”

Wir haben im Klimavertrag von Paris beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C, möglichst 1.5°C zu begrenzen. Die Klimaschutzziele der Stadt Kiel liegen auf einem Klimaschutzpfad für 2°C (wenn die ganze Welt sich wie Kiel verhalten würde) und müssen deshalb nachgebessert werden. Die Stadt Kiel soll diese Ziele, und die Optionen für weitere Treibhausgas(THG)-Reduktionen  an die genannten Ziele von Paris anpassen. Bei der Berechnung soll die Möglichkeit von Negativemissionen, also Geoengineering, nicht berücksichtigt werden. Kiel muss daher im Sinne von Artikel 2a) Paris mindestens bis 2040 klimaneutral werden (im Sinne von Reduktionspfad b)). Da wir in Deutschland doppelt so viel Treibhausgase ausstoßen, wie der Weltdurchschnitt, was in die Berechnung der Reduktionspfade noch nicht eingegangen ist, ist auch dieser Reduktionspfad ungerecht, und nur ein Zugeständnis an realpolitische Machbarkeit. Er stellt für uns das gerade noch tragbare dar – Bündnisse, die an noch schwächeren Reduktionspfaden festhalten, können wir nur schwer unterstützen.

Da einzelne Zwischenziele im Regelfall erst auf den letzten Drücker eingehalten werden, empfehlen wir zudem, diese als Budgets, statt als Jahreswerte zu formulieren („Budgetansatz“ in Abb.2 statt Abb. 1). Es ist ein Skandal, dass Kiel sich als Klimastadt bezeichnet, aber seine Klimaziele noch nicht  angepasst hat.

Abb.1: Globale Reduktionspfade, verglichen mit 1990, für verschiedene Temperaturgrenzen:

Jahra) 1,5 °C bei linearer Reduktion, mit 50 % Wahrscheinlichkeit; 2°C mit sehr hoher  Wahrscheinlichkeit
b) Ab 2017/18 Linearer Reduktionspfad bis 2040c) 2 °C, bei linearer Reduktion, mit 66 % Wahrscheinlichkeit (alte Reduktionspfade nach Kyoto, Kieler Klimaschutzziele)
d) Mitte zwischen 2°C mit 50% Wahrscheinlichkeit und 1,5°C mit 50% Wahrscheinlichkeit
201724  % Reduktion gegenüber 1990 (liegt zu einem großen Teil an der Wiedervereinigung)24 % Reduktion gegenüber 1990 (liegt zu einem großen Teil an der Wiedervereinigung)24 % Reduktion gegenüber 1990 (liegt zu einem großen Teil an der Wiedervereinigung)24 % Reduktion gegenüber 1990 (liegt zu einem großen Teil an der Wiedervereinigung)
20200,24+(3/13)*0,76=41,54% THG-Reduktion0,24+(3/23)*0,76=33,91% THG-Redukion0,24+(3/37)*0,76=30,16% THG-Reduktion0,24+(3/25)*0,76=33,12% THG-Reduktion
20250,24+(8/13)*0,76=70,77% THG-Reduktion0,24+(8/23)*0,76=50,43% THG-Reduktion0,24+(8/37)*0,76=40,43% THG-Reduktion0,24+(8/25)*0,76=48,32% THG-Reduktion
2030100% Reduktion0,24+(13/23)*0,76= 66,96% THG-Reduktion0,24+(13/37)*0,76=50,70% THG-Reduktion0,24+(13/25)*0,76=63,52% THG-Reduktion
2040100%0,24+(23/37)*0,76=71,24% THG-Reduktion
0,24+(8/25)*0,76=93,92% THG-Reduktion
2042Nicht berechnet100%
20500,24+(33/37)*0,76=91,78% THG-Reduktion
2054100%

Abb. 2: Globale Reduktionspfade mit dem Budgetansatz für verschiedene Temperaturgrenzen:

Jahra) 1,5 °C bei linearer Reduktion, mit 50 % Wahrscheinlichkeit; 2°C mit sehr hoher  Wahrscheinlichkeit
b) Ab 2017/18 Linearer Reduktionspfad bis 2040c) 2 °C, bei linearer Reduktion, mit 66 % Wahrscheinlichkeit (alte Reduktionspfade nach Kyoto)
d) Mitte zwischen 2°C mit 50% Wahrscheinlichkeit und 1,5°C mit 50% Wahrscheinlichkeit
2017-2020Maximal 3/13*6,5*Emissionen im Jahr 2017 (=1.425.000 t)=2.137.500 t3/23*11,5*Emissionen im Jahr 2017 (=1.425.000 t)=2.137.500 t → Siehe  linke SpalteSiehe linke Spalte Siehe  linke Spalte
2017-2025Maximal 8/13*6,5*1.425.000 t= 5.700.000 tSiehe  linke SpalteSiehe  linke SpalteSiehe  linke Spalte
2017-2030Maximal 13/13*6,5*1.425.000 t= 9.262.500 tSiehe linke SpalteSiehe linke SpalteSiehe linke Spalte
2017-2040Maximal 23/23*11,5* 1.425.000 t= 16.387.500 tSiehe linke Spalte
Siehe linke Spalte
2017-2042Nicht berechnet25/25*12,5* 1.425.000 t= 17.812.500 t
2017-205033/37*18,5* 1.425.000 t= 23.512.500 t
205437/37*18,5* 1.425.000 t=26.362.500

Basierend auf  Daten vom IPCC, dem Global Carbon Project (für 2011-2016) und Statista.

Bibliographie

Carbon Brief: DATA: Carbon Budget 2016 update – Google Tabellen. Abgerufen 19. Januar 2017, von https://docs.google.com/spreadsheets/d/1odltJu_rxabdVXv_pACMBNIRiFSkc_HqJn-V8z0av2w/edit

Le Quéré, Corinne et al.: Global Carbon Budget 2016. In: Earth System Science Data, 8(2), 605–649. Abgerufen am 03.04.2018 unter https://doi.org/10.5194/essd-8-605-2016.

Statista: Höhe der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2017 (in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent). Abgerufen am 15.10.2018 unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76558/umfrage/entwicklung-der-treibhausgas-emissionen-in-deutschland/

UBA: THG Emissionen 1990-2015. Abgerufen 20. Januar 2017 unter https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/478/bilder/thg-emissionen_1990-2015.png

Beschlossen von der Grünen Jugend Kiel am 18.10.2018