Heute ist der Tag, an dem sich die Katastrophe von Fukushima zum zehnten Mal jährt. Es ist nach Tschernobyl das zweite Mal gewesen, dass es zum Super-GAU kam. Wir möchten Dich mitnehmen und zeigen, was sowohl in Fukushima als auch hier in Deutschland passiert ist und passiert und was wir fordern.

Fukushima – Der Ablauf des Super GAUs

Am 11. März 2011 um 14:47 Uhr Ortszeit begann nach einem Erdbeben der Stärke 8,9 unfassbares im Atomkraftwerk Fukushima I. Das Erdbeben löste einen Tsunami aus, der zwischen 13 und 15 Metern Höhe maß. Die Welle traf gegen 15:35 Uhr am Atomkraftwerk Fukushima I ein. Die 5,70 Meter hohe Schutzmauer vor dem Kraftwerk konnte die Welle nicht aufhalten. Die Reaktorblöcke 1 bis 4, die 10 Meter über dem Meeresspiegel liegen, wurden bis zu 5 Meter tief überschwemmt. Die drei Meter höher erbauten Blöcke 5 und 6 zu einem Meter. Durch die Zerstörung der Meerwasserpumpen konnte die Abwärme nicht mehr ins Meer abgegeben werden, lief in die Gebäude und überschwemmte fünf der zwölf laufenden Notstromaggregate und die meisten Stromverteilerschränke. Um 15:41 Uhr Ortszeit fielen die Generatoren aus. 

Durch den Ausfall der Stromversorgung konnte die Kühlung der Nachzerfallswärme aus den Reaktorkernen und Abklingbecken nicht stattfinden. Wegen Verkehrsstaus, versperrter Zufahrtswege, überschwemmter Anschlusspunkte und zu kurzer Kabel wurden die zusätzlich herangeschafften Generatorenfahrzeuge zu spät aktiv, um die Unfallserie noch zu stoppen. Ein Generator überstand den Tsunami und konnte die Kühlung der Blöcke 5 und 6 rechtzeitig gewährleisten. 

Mangels Kühlung kam es zur Überhitzung von Reaktoren und Abklingbecken, zur Freisetzung von Wasserstoff in die Reaktorgebäude und zu Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Durch gezielte Druckentlastungen der Reaktoren gelangten radioaktive Stoffe in die Umwelt und wurden von wechselnden Winden in verschiedene Himmelsrichtungen weiter verteilt. Die Folgen des Unfalls haben viele Menschen in Japan getroffen. 

Vom 12. März, also etwas weniger als 24 Stunden nach dem verhängnisvollen Erdbeben, bis zum 15. März ereigneten sich Explosionen – wahrscheinlich Wasserstoffexplosionen – in den Blöcken 1, 3 und 4, die die Reaktorgebäude teils schwer beschädigten und Rettungsarbeiten zurückwarfen. Hierbei wurde hochradioaktiver Schutt auf das Werksgelände geschleudert. 

In Block 2 wurde der Sicherheitsbehälter des Reaktors beschädigt, sodass stark kontaminiertes Wasser austrat. In Block 4 kam es zu mehreren Bränden. Vom 13. bis zum 15. März 2011 wurde auf dem Kraftwerksgelände mehrfach Neutronenstrahlung gemessen, was auf ein unkontrolliertes Wiedereinsetzen der Kernspaltung in einem der Reaktoren oder Abklingbecken hindeutete. 

Die Werkfeuerwehr pumpte zunächst Wasser aus vorhandenen Süßwasserreserven und dann aus Gruben, in denen sich Meerwasser gesammelt hatte, zur Kühlung auf die Reaktoren 1 bis 3. Die Erlaubnis zum Einleiten von Meerwasser, wodurch die Reaktoren beschädigt werden, gab Premierminister Naoto Kan am 12. März 2011 um 19:55 Uhr – circa 29 Stunden nach dem Erdbeben. 

Am 15. März 2011 wurden alle, bis auf 50 Tepco-Mitarbeiter*innen sowie 130 weitere Arbeiter*innen und Helfer*innen von Fremdfirmen, Feuerwehr und Streitkräften, vorübergehend evakuiert. Einige Tage später trafen 140 Streitkräfte der Tokioter Feuerwehr ein, die angeblich zu diesem Einsatz vom Wirtschaftsminister Banri Kaieda gezwungen wurden. Die Mitarbeiter*innen waren seit dem Unfall laufend einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.

Die Folgen der Katastrophe

Zu den Folgen der Reaktorkatastrophe lässt sich wohl ganz zentral sagen, dass in der Folge der Verstrahlung 160.000 Menschen dauerhaft umgesiedelt wurden und im Zuge dessen ihr Leben, ihr Haus oder wertvolle Erinnerungsstücke zurücklassen mussten. Ein Gebiet in der Größe der Stadt München rund um das Kraftwerk ist selbst heute noch nahezu unzugänglich.

Gleichzeitig litten selbstverständlich nicht nur die Anwohner*innen im direkten Umfeld des Kraftwerks unter den Folgen. Schätzungsweise 23 Prozent des radioaktiven Niederschlags gingen über dem japanischen Festland nieder. So kamen Menschen in ganz Japan in Kontakt mit kontaminierter Luft, kontaminierten Wasser und kontaminierten Lebensmitteln. Betrachtet man also die japanische Gesamtbevölkerung, ist davon auszugehen, dass langfristig 9.600 strahlenbedingte Krebsfälle auftreten werden, wobei geschätzt wird, dass die Hälfte davon tödlich verlaufen wird.

Abgesehen von den traurigen Schicksalen und vielen Toten, die die Katastrophe hervorgebracht hat und hervorbringen wird, hat natürlich die Umwelt, vor allem das Meer, unter dem Austreten von Radioaktivität gelitten. Während der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind die gesetzlichen Grenzwerte für radioaktives Jod und Caesium im Meereswasser vorübergehend um das 50.000 bis 200.000-fache überschritten worden.

Für den Pazifik und die dortigen Lebensräume wird die Reaktorkatastrophe von Fukushima weitreichende Folgen haben. Die Messwerte von Tepco, dem Betreiber des Kraftwerks, und dem japanischen Wissenschaftsministerium zeigen, dass das Meer um Fukushima hochgradig verseucht ist. Es ist davon auszugehen, dass sich die radioaktiven Substanzen weiträumig verteilen und in den Nahrungsketten von unten nach oben anreichern werden.

Auch der Blick in die Zukunft sieht nicht rosig aus, denn die Kühlung der geschmolzenen Reaktorkerne bleibt ein großes Problem. Wasser wird dauerhaft eingeleitet, um noch Schlimmeres zu verhindern. Durch undichte Stellen in den Sicherheitsbehältern und im Abklingbecken gelangt permanent kontaminiertes Kühlwasser in die Umwelt. Noch bedrückender wird diese Info durch die Tatsache, dass niemand weiß, an welchen Stellen dieses Wasser austritt. Abgesehen davon sind für das gespeicherte kontaminierte Wasser die Lagerkapazitäten bald erschöpft und die Entsorgung noch ungeklärt.

Trotz alledem gibt die japanische Regierung immer mehr Gebiete zur Besiedlung frei, fordert die Bevölkerung zur Rückkehr auf und hält auch weiterhin an der Atomkraft zur Energiegewinnung fest. 2018 wurde auch erstmals wieder Fisch aus der Region exportiert.

Atomausstieg und Endlagerung in Deutschland

Der Atomausstieg in Deutschland ist letztlich eine alternativlose Entscheidung der  damaligen Bundesregierung gewesen, da Atomkraft seit jeher keine sichere Quelle für die Energiegewinnung darstellt. Nichtsdestotrotz ist der Atomausstieg unter Union und FDP alles andere als eine Held*innentat gewesen.

Denn Schwarz-Gelb ist vom bereits beschlossenen Atomausstieg der rot-grünen Regierung zurückgetreten und hat stattdessen eine Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke bewirkt – ein halbes Jahr vor Fukushima. 

Getrieben von den Ereignissen in Japan, die erneut die Gefahren der Atomstromgewinnung bewiesen haben, war der Ausstieg aus der Atomkraft logische Konsequenz. Nun müssen aber durch den Ausstieg vom Ausstieg den Energiekonzernen RWE, Vattenfall, Eon/PreussenElektra und Enbw 2,4 Milliarden Euro als Entschädigung gezahlt werden – Geld, das man sich hätte sparen können, wenn man bereits vorher die Gefahren der Sicherheitsmängel der Atomkraft gesehen hätte.

Energiepolitik kann nur mit dem priorisierten Ausbau der erneuerbaren Energie realisiert werden. Ein Fortschritt der Technologie und ein Ausbau im Atomkraftsektor würde mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Zeit, die wir angesichts der Klimakrise nicht haben und in der wir unseren Energieversorgung fast ausschließlich aus Wind- und Solarkraftwerken umstellen können. Kernkraft gilt als weniger gefährliches Übel gegenüber den katastrophalen Folgen einer Klimakatastrophe. Diese Abwägung ist jedoch nicht zielführend und lenkt vom eigentlichen Thema ab:

Durch eine radikale Priorisierung von erneuerbaren Energien ist keine Abwägung nötig! Damit nehmen wir nicht die Gefahren und die unsichere Situation hinsichtlich der Endlagerung einfach hin! Eine Debatte über die Klimaverträglichkeit von Kernkraftwerken führt dazu, dass Erneuerbare nicht ausreichend Relevanz erfahren!

Darüber hinaus bleibt nach wie vor die Frage der Endlagerung offen. Dass diese Aufgabe in den Verantwortungsbereich der Politik anstatt der Konzerne fällt, ist absolut inkonsequent, da es doch letztere sind, die den Atommüll produzieren und damit für die einhergehende Umweltverseuchung zuständig sind.

Zuletzt fehlt es seit jeher an einem wirklich sicheren Umgang mit Atomkraft und Atommüll. Was mit Atomkraftwerken passieren kann, hat sich deutlich in Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Zudem ist die Endlagersuche bis heute ohne Erfolg. Stattdessen droht  bereits entsorgter bzw. zwischengelagerter  Atommüll die Umgebung zu kontaminieren und an Pflanzen, Tieren und Menschen einen enormen gesundheitlichen Schaden entstehen zu lassen – wie sich an Asse zeigt. Deswegen: NEIN zu Atomkraft.

Unsere Forderungen

Damit sich so eine Tragödie nicht wiederholt, fordern wir, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien nicht weiterhin behindert, sondern gefördert wird. Keine weiterhin umweltverschmutzenden Formen der Energiegewinnung sind akzeptable Alternativen zu Erneuerbaren Energien, weswegen die Beschönigung und das Greenwashing von Atomkraft unterbunden werden muss. 

Um einen vollkommenen Ausstieg aus der Atomkraft zu verwirklichen, müssen jedoch auch grundlegende Fragen wie die der Endlagerung von atomarem Müll und der Sicherheit von abgestellten AKWs geklärt werden.

Uns ist bewusst, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, in dessen Kontext wir solidarisch denken müssen, und nicht so wie beispielsweise die CSU in Bayern enorm von Atomkraft profitieren und uns dann von der Endlagersuche ausnehmen.

Wir kämpfen seit Jahrzehnten für den Ausstieg aus atomarer Energie, zwar wurde nach dem Unglück von Fukushima ein sofortiger Ausstieg angekündigt, de facto werden aber immer noch AKWs betrieben und Uran wird immer noch gefördert. Dieser Zustand ist angesichts des Supergaus von Tschernobyl und Fukushima nicht tragbar.

Wir brauchen einen finalen, solidarischen Ausstieg aus der Atomkraft und zwar JETZT!